
Kunst Wissenschaft Gesellschaft
Die Universität Witten/Herdecke hat als einzige Universität Deutschlands
künstlerische Praxis zum allgemein verbindlichen Teil der Lehre und
der Universitätskultur gemacht. Neben und mit den Bereichen Musik und
Theater veranstaltet art in dialog Seminare und Projektarbeiten
mit Gegenwartskünstlern in den Medien Malerei, Film, Foto- und Environmental-Art.
Zudem stellen Künstler in der Universität im Rahmen öffentlicher
Veranstaltungen und Ausstellungen ihre Arbeit vor. All dies ist Teil des
Studiums aller Fachbereiche. Wissenschaft und Künste führen hier
eine Koexistenz, die neue Sichtweisen produziert und so in der deutschen
Hochschullandschaft einmalig ist.
Seit August 2002 wird darüber hinaus von der Fakultät für
das Studium fundamentale ein eigener B.A.-Studiengang angeboten. Unter dem
Titel Philosophie und Kulturwissenschaften werden hier die Kompetenzen
Kulturtheorie, Kuturmanagement und künstlerische Praxis ausgebildet.
Als Mitgründer von next: The Institute for Multi-Disciplinary
Studies ist art in dialog zudem Teil einer multidsiziplinären
Forschungseinheit, die themenorientierte Studien erarbeitet, künstlerische
Erkenntnisprokuktion zum Bestandteil der Forschung macht und wissenschaftliche
Beratung leistet. next: verbindet Forschen, Beraten und Kuratieren und antwortet
damit auf Defizite herkömmlicher Formen der Wissensproduktion und präsentation.
next: The Institute for Multi-Disciplinary Studies wurde am 17. Oktober
2002 aus den Fakultäten der Universität Witten/Herdecke gegründet
[www.next.ag] und veranstaltet jährlich eine future:fashion:show,
die eine Vorstellung und Analyse aktueller Theoriemoden bietet. Die erste
future:fashion:show fand zum Thema depressionen: rezessionen:
revisionen statt.
Gegenwart: Kunst
art in dialog setzte die spezifisch künstlerischen Produktionsweisen
kulturellen Wissens in eine andere Wahrnehmung, als dies im kunstinstitutionellen
Kontext gemeinhin geschieht. Vor allem konstruierte art in dialog
einen künstlerischen Arbeitskontext in einem wissenschaftlichen Umfeld.
Seit einigen Jahren hat sich verstärkt eine künstlerische Praxis
entwickelt, die sich auf ganz andere gesellschaftliche Zusammenhänge
als Museen, Galerien oder Kunstmärkte bezieht. Eine eigene Form diskursiver
Kultur und Bildproduktion ist entstanden, welche die institutionalisierten
Grenzen des Betriebssystems Kunst nur noch als ein mögliches Bezugsfeld
unter vielen nutzt. Selbst die großen international wegweisenden Kunstinszenierungen
versuchen vermehrt, sich in diskursive Foren zu verwandeln, um die Rolle
der Kunst in der gesellschaftlichen Erkenntnisproduktion neu zu beschreiben.
Umgekehrt wird künstlerische Praxis mit ihrer Erneuerungsmanie und
Formfindungskompetenz von Wissenschaft und Wirtschaft als paradigmatische
Realisierungsform neuer Hinsichten begriffen.
Wenn man künstlerische Praxis als ein Element kultureller Erkenntnisproduktion
neben anderen versteht, dann ist es evident, sie im Zusammenhang anderer
Produktions- und Diskursumgebungen anzusiedeln. In diesem Sinne wollte art
in dialog einen Raum zur Produktion undisziplinierter Zukunftsbilder
entwickeln.
Die Arbeit von art in dialog bestand einerseits in der Inszenierung
von Gegenwartskunst in der Universität Witten/Herdecke und ihrer Vermittlung
durch Seminare, Workshops und öffentliche Veranstaltungen, andererseits
in der Realisation externer Ausstellungsprojekte und künstlerischer
wie theoretischer Interventionen im nicht kunstinstitutionellen Raum.
Ziel der internen Arbeit auf dem Campus war die Irritation, Umwertung und
Anreicherung der Universität durch Kunst und die Konstruktion einer
Plattform, die die Zusammenarbeit von Studierenden, Wissenschaftlern und
Gegenwartskünstlern (artists in dialog) ermöglicht.
Die bisherigen artists in dialog waren: Barbara Köhler
(D), Apolonija Sustersic (SLO), Beat Streuli (CH), David Hardy (D)[gemeinsam
mit Victor Victor (F) und Miki Nitadori (JAP)]; Thomas Locher (D), Andrea
Wolfensberger (CH), Jörg Lenzlinger und Gerda Steiner (CH).
Das wichtigste externe Projekt von art in dialog war Echo´s
Pool, ein Projekt zur Realisierung von fünf künstlerischen
Arbeiten im Umfeld von fünf jüdischen Landfriedhöfen am Niederrhein.
Echo´s Pool wollte durch Kunst eine andere als die holocaustfixierte
Rezeption dieser Orte in den Blick rücken. Die Entwicklung der Werke
wurde begleitet von einer kulturtheoretischen Debatte zu kollektiven Identitäten
(beteiligte Künstler: Christine Borland (GB), Stefan Kern (D), Thomas
Locher (D), Jörg Lenzlinger/Gerda Steiner (CH) und Richard Serra (USA).
Ein weiteres externes Projekt war Kundschaft Kunst bildet öffentliche
Räume. Hier arbeitete art in dialog mit der Stadt
Witten, Künstlern und Studenten zusammen (beteiligte Künstler:
Apolonija Sustersic (SLO), Judith Samen (D), Andrew McNiven (GB) und Ayse
Erkmen (TÜK)).