Kundschaft
Kunst bildet öffentliche Räume
Kundschaft ist ein Kunstprogramm für die Innenstadt Witten, das "art
in dialog" gemeinsam mit den städtischen Amt für Wirtschaftsförderung
betreibt. Ziel dieser Maßnahme ist die Erschließung neuer kommunikativer
Räume mit den Mitteln der Gegenwartskunst. Die künstlerischen Projekte
entwickeln neue soziale Räume auf öffentlichen Flächen und
Funktionskontexten. Im Rahmen von Kundschaft sind Ayse Erkmen
(TUR), Andrew McNiven (SCO), Judith Samen (D) und Apolonija Sustersic (SLO)
nach Witten eingeladen worden, um Konzepte für künstlerische Interventionen
in der Innenstadt zu entwickeln.
Zwei der entwickelten Konzepte sind realisiert worden:
Witten Apparatus. Cinemascope von Andrew McNiven
unikat-club von Apolonija Sustersic
Eine weitere Arbeit befindet sich in der Realisierung:
Die Fettecke Fritten in Witten von Judith Samen
Das Projekt Kundschaft Kunst bildet öffentliche Räume
ist 2002 als einziges Projekt in ganz Nordrhein-Westfalen zum dritten Mal
in Folge im Rahmen des Landeswettbewerbs ab in die Mitte - Die City-Offensive
NRW gefördert worden.
Vom 17. bis 27. Oktober 2002 fand nun die Eröffnung der ersten beiden
neuen Räume und eine Reihe künstlerischer und wissenschaftlicher
Veranstaltungen in der Wittener Innenstadt statt.
Am 17. Oktober um 18 h wurde der von der slowenisch-niederländischen
Künstlerin Apolonija Sustersic gemeinsam mit Mitarbeitern und Studenten
der Universität Witten/Herdecke entwickelte unikat (club) im alten Wartesaal
des Wittener Hauptbahnhofs eröffnet. Die Idee der Künstlerin und
Architektin - die für zwei Semester an der Universität als "artist
in dialog" arbeitete - war, einen Raum zu kreieren, der das universitäre
Leben in die Stadt bringt und ein Ort für junge Kultur darstellt. Das
Ergebnis ist ein Raum, der ein Mix aus Debating Club, Tanz Club, Lounge und
Café ist. Hier werden in Zukunft vor allem Studierende der Universität
Witten/Herdecke Theater, Vorträge, Partys, Ausstellungen und Konzerte
organisieren. Ein erstes öffentliches Wissenschafts-, Politik- und Kunst-Symposion
zum Thema "de:pressionen, re:zessionen, re:visionen." veranstaltete
hier vom 18. 27. Oktober die sich ebenfalls neu gründende interdisziplinäre
Forschungsfabrik "next:the:science:faqtory" aus Wissenschaftlern
der Universität Witten/Herdecke. In diesem Zusammenhang lieferten zahlreiche
prominente Referenten wie Reinhard Sprenger (Autor von "Mythos Motivation"),
Schriftstellerin wie Katrin Röggla, Dietrich Grönemeyer (Institut
für Mikrotherapie), der Psychiater und Familientherapeut Fritz Simon
sowie die Künstler Ecke Bonk (Karlsruhe) Dellbrügge/de Moll (Berlin),
Christoph Schäfer (Hamburg), Till Krause (Hamburg), Mark Formanek (Münster)
und Sonja Alhäuser (Elkenroth, Ww.) und Peter Land (Kopenhagen) Beiträge.
An einigen Abenden gab es Clubnights bzw. After-Work-Clubs mit nicht weniger
prominenten DJ´s geben: u.a. Steffen Irlinger und Carsten Helmich (Näheres
zum Programm unter
www.next.ag).
Am 27. Oktober wurde dann eingeläutet von einer Saxophonperformance
von Dietmar Diesner und Heiner Reinhardt eine Raumarbeit im Rathausturm
eröffnet. Die Arbeit Witten Apparatus, CinemaScope hat der
schottische Künstler Andrew McNiven (*1963, lebt in Edinburgh) für
den Rathausturm Witten entwickelt. Umgesetzt wurde sie vom Leipziger Architekturbüro
"quartier vier". Der Künstler ließ den Fußboden
bis zur Höhe der Fensterbank anheben und eine Lichtschiene eingbringen,
die den Turm im abendlichen Witten von weither sichtbar macht. Alle Besucher,
die sich in dem Raum bewegen, werden außen als Silhouetten sichtbar,
bewegen sich wie auf einer Bühne. Durch die Installation im Inneren der
Turmhalle wird der Rathausturm in ein Hybrid aus Leuchtturm und Kino transformiert.
Der Apparatus macht diesen Ort nicht nur als ein energetisches Zentrum der
Stadt kenntlich, sondern den Rathausturm als Aussichtsplattform hoch über
der Stadt überhaupt wieder zugänglich. McNiven versteht diesen Ort
denn auch weniger als autonome Skulptur denn vielmehr als Plattform für
andere Projekte. Aus diesem Grunde lud er zur Eröffnung die Künstlerin
Arabella Harvey (ebenfalls Edinburgh) ein, eine Klanginstallation in seinen
Raum einzubringen. Harveys Sounds, die wie ferne Erinnerungen an etwas dann
doch nicht näher bestimmbares wirken, verleihen dem Blick aus den Fenstern
über die Ruhrgebietslandschaft etwas Unwirkliches, Imaginäres.
Mit der Wiedereröffnung des Rathausturmes und des Alten Wartesaals im
Hauptbahnhof wurden der Stadt zwei historische Räume zurückgegeben,
die lange in einem Dornröschenschlaf schlummerten und nun dank
der Landesinitiative "Ab in die Mitte" und der großzügigen
Förderung durch die Stadtwerke Witten GmbH und Perlite Dortmund (für
den Rathausturm) und Hoerstke Grossküchen ( unikat (club) ) wieder zu
neuem Leben erweckt werden konnten.
Das dritte Projekt, das im Rahmen von Kundschaft realisiert werden soll, ist
ein Imbiss mit Verdacht auf Kultstatus: "Die Fettecke - Fritten in Witten"
der Düsseldorfer Künstlerin Judith Samen. Hierfür hat Samen
bereits das gesamte Inventar entworfen und produziert. Die Realisierung wartet
nur noch auf den Bau der neuen Bushaltestelle am Rathausmarkt, in der der
Imbiss Platz finden soll. Wie eine solche Bude aussehen wird, konnte man am
Sonntag, den 27. Oktober in einem Nebenraum des unikat (club) live erleben,
als die Künstlerin selbst das Essen bereitete und alle Wittener Hausfrauen
dazu einlud, ihre Lieblings-Haushaltsgeräte mitzubringen und dort auszustellen.