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Apolonija Sustersic

Apolonija Sustersic wurde 1965 in Ljubljana [Slowenien] geboren und lebt in Amsterdam und Ljubljana. Dem Studium der Architektur an der Universität Ljubljana folgte ein Studium der freien Kunst an der ›Rijksakademie van Beeldende Kunsten‹ in Amsterdam. In den letzten Jahren hat sie Einzelausstellungen in ganz Europa eingerichtet. Dazu kamen große Projekte im Kontext so bedeutender Ausstellungen wie der ›Manifesta 2‹ [Luxemburg], ›What if: Art on the verge of architecture and design‹ [Moderna Museet Stockholm].

Apolonija Sustersic ist gleichermaßen Architektin wie Bildhauerin. Ihre Arbeiten versuchen die funktionale Neubestimmung von Räumen. Das "Moderna Museet Stockholm" wird zu einem Ort für Lichttherapie; eine Ausstellungshalle, die ursprünglich als Furchtmarkt fungierte, wird zu einer ganz in orange gehaltenen Juice-Bar, in der nur Orangensaft ausgeschenkt wird und in der Videoarbeiten laufen wie in einer italienischen Sportbar. Sustersic verknüpft erfundene mit tatsächlichen Funktionen und beherrbergt funktionale Zusammenhänge in Räumen, in denen man sie nicht erwartet. Dabei geht sie auf vielschichtige Weise mit den Voraussetzungen ihrer Arbeit, mit Erwartungen und Bedingungen um. Ihr gelingt es ohne großes Aufheben, gewohnten Tätigkeiten neue Bedeutungen zu verleihen, indem sie mit unerwarteten anderen Funktionszusammenhängen verknüpft werden. Im Rahmen von Kundschaft entwickelte sie die Idee zur Einrichtung eines Clubs für junge Kultur, dessen Programm von Studenten und Dozenten der Universität Witten/Herdecke betrieben wird. So entstand der "unikat (club)".


Judith Samen

Judith Samens Fotografien zeigen zeitlos bis altertümlich kostümierte Personen in Porträtposen, wie wir sie aus der Renaissance- oder Barockmalerei kennen: auf einem Tisch gefaltete Hände, ins Dreiviertelprofil gewendete Köpfe usw. Der starre Bildaufbau provoziert einen irritierenden Widerspruch zu "improvisierten" Kostümen und banalen Attributen, die den Personen zugeordnet werden: Brote, Kartoffeln, Kohlköpfe stehen den Figuren zur Seite, als könnten sie etwas über den Charakter und den Geschmack der Abgebildeten verraten. Die Porträtierten sind Mutter, Großmutter, Tante, Vater der Künstlerin, ihr Akademielehrer, sie selbst. Sie werden von Judith Samen wie Typenporträts inszeniert: Madonna, Hausfrau, Mutter/Kind usw., dabei immer eine betonte Provinz-Ästhetik. Doch geht ihre Arbeit weit über den Rahmen hinaus. Sie werden in den Kontext installativer Inszenierungen und performativer Auftritte gestellt. Skulpturale Ensembles sind Frittenbuden oder Blockhütten. Als Fotografin, subversive Regisseurin oder Performerin inszeniert Judith Samen anheimelnde Pilgerstätten, schafft Situationen, in denen sich Betrachter begegnen und gegenseitig beobachten müssen.

Judith Samens Vorschlag für Kundschaft zur Einrichtung der Imbissbude "Die Fettecke. Fritten in Witten" soll in Kooperation mit einem zukünftigen Betreiber nach Plänen der Künstlerin ausgeführt werden und der ganz traditionellen Funktion leiblicher Versorgung dienen; mit dem Unterschied allerdings, dass die Nahrungsaufnahme wie ein bedeutsames Ritual inszeniert sein wird. die Künstlerin hat das gesamte Equipment wie Stehtische, eine Vitrine, eine Preistafel und Tüten bereits entworfen und hergestellt. Die Realisierung wartet noch auf den Bau der neuen Bushaltestelle am Rathausmarkt.

1970 geboren in Gladbeck geboren || lebt und arbeitet in Düsseldorf.


Andrew McNiven

"Witten Apparatus, CinemaScope" im Wittener Rathausturm.

Der Schottische Künstler Andrew McNiven (*1963, lebt in Edinburgh) hat als erster der zum Projekt "Kundschaft" eingeladenen Künstler einen konkreten Entwurf vorgelegt. Für den Rathausturm Witten, in dem er bereits 1995 im Rahmen der Gruppenausstellung »Ferne im Innern« ausgestellte, hat er eine raumbezogene Arbeit entwickelt, die diesen Ort als ein energetisches Zentrum der Stadt kenntlich macht. Seine Lichtinstallation im Inneren der Turmhalle transformiert den Rathausturm in ein Hybrid aus Leuchtturm und Kino. Durch das Anheben des Fußbodens bis zur Fensterbank und die Einbringung einer extremem künstlichen Beleuchtung, strömt das Licht im abendlichen Witten von weither sichtbar nach außen. Alle Besucher, die sich in dem Raum bewegen, werden außen als Silhouetten sichtbar, sie bewegen sich auf einer Bühne. Die Umsetzung der Arbeit erfolgte durch das Leipziger Architekturbüro "quartier vier". Ihr Entwurf unterstützt durch die Wahl der Materialien, durch die Lösung des Aufgangs und die Struktur der Beleuchtung den luziden Charakter des Raumes. McNiven versteht seine Arbeit als Plattform für andere Projekte und lud deshalb seine Kollegin Arabella Harvey ein, zur Eröffnung eine Klanginstallation in den Raum einzubringen.

geboren in Edinburgh 1963|| lebt und arbeitet in Edinburgh.


Arabella Harvey

hat für den Wittener Rathausturm eine Klanginstallation entwickelt, die ab dem 27.10. 2002 zu hören ist. Arabella Harvey hat Tonbandaufnahmen von Körpergeräuschen, im Wind wehenden Blättern und anderen alltäglichen Situationen technisch gerade soweit verfremdet, dass sie ganz entfernt an Bekanntes erinnern, aber doch nicht näher bestimmbar werden. So kommt eine Wirkung zustande, als würde der Nachhall von Klangsedimenten vom Raum Besitz ergreifen. Damit erhält auch der Blick aus den Fenstern des Turmgeschosses etwas seltsam Unwirkliches und Imaginäres.

geboren 1978 || lebt und arbeitet in Edinburgh


Ayse Erkmen

Ayse Erkmen geht auf bestimmte, gefundene Bildstrukturen ein, auf deren Leere oder Ideologie, die sich hinter diesen Bildern verbergen. Die Schönheit und die gleichzeitige Vergeblichkeit ihrer Bildfunde führt sie mit ihren Arbeiten vor Augen. Immer ist die Frage gestellt nach der Verbindung von Form und Inhalt anhand reeller Beispiele und Bilder, die jeder kennt, die jeder meint zu verstehen, denen man sogar eine eigene Dynamik und Poesie zuspricht.

In Berlin etwa hat sie ein Haus auf seiner gesamten straßenseitigen Fassade mit türkischen Kürzeln beschriftet, Wortfetzen nur, die ein Spezifikum der türkischen Grammatik demonstrieren. Daß es sich um türkisch handelt wird sofort klar, aber als Deutscher kann man den Sinn nicht erschliessen. Allein die Häufung der Sonderzeichen in der türkischen Sprache gibt den ummißverständlichen Hinweis.

1949 geboren in Istanbul || lebt und arbeitet in Istanbul und Berlin