



Apolonija Sustersic artist in dialog WS 99/00 + SS 00
project at uni-w/h
Im WS 99/00 war die aus Slowenien stammende und in Amsterdam lebende Architektin
und Bildhauerin Apolonija Sustersic mit ihrer Aktion »Space Therapy
- Action 1« in der Halle der uni-wh zu sehen. Gemeinsam mit Seminarteilnehmern
führte sie Interviews mit Studierenden, Mitarbeitern, Dozenten und
Patienten durch. Jeder der einen Fragebogen ausfüllte oder sich als
Interviewpartner zur Verfügung stellte, bekam einen frischgepreßten
Orangensaft und eine von einer Physiotherapeutin durchgeführte Hand-
und Unterarm-Massage. Durch diesen Austausch, der ein grundlegendes Arbeitsprinzip
der Künstlerin ist, wollte sie sich ein Bild von den Sichtweisen und
Erwartungen der Benutzer des Universitätsraumes machen; wobei sie unter
Raum nicht nur den gebauten Raum versteht, sondern vor allem die darin stattfindenden
Tätigkeiten und Ereignisse. Das Ergebnis dieser Recherche ist die seit
dem 08. Juni 2000 in der Halle der Universität installierte Skulptur
ZOFA.
Apolonija Sustersic weihte » mit dem Vortrag The Production
of Space und anschließender Diskussion die von ihr für
die Halle der Universität entworfene Skulptur ZOFA ein.
Der Vortrag war zugleich das erste sit-in auf ihrer 20m langen Sitzgelegenheit
ZOFA.
Für Apolonija Sustersic ist Kunst eine Form, Austausch und Kommunikation
zu inszenieren, Räume zu bilden, in denen etwas Unerwartetes stattfinden
kann, in denen sich vorhandene mit erfundenen Funktionen verknüpfen
und in denen temporär neue Verhaltensmuster implantiert werden. So
verwandelte sie das »Moderna Museet Stockholm« in einen Ort
für Lichttherapie; eine Ausstellungshalle in Luxemburg, die ursprünglich
als Fruchtmarkt diente, wurde zur »Bonnevoie Juice Bar«,
einer ganz in orange gehaltenen Bar auf Zeit, in der nur frisch gepreßter
Orangensaft ausgeschenkt wurde und in der Videoarbeiten präsentiert
wurden. Apolonija Sustersics Arbeiten sind mehr als die Gestaltung eines
physischen Raums; sie versucht die unterschiedlichen Programme, die sich
in einem Raum ereignen und ereignen könnten, in Formen umzusetzen,
die nicht nur formalen, funktionalen und pragmatischen Ansprüchen genügen,
sondern auch soziale Prozesse gestalten. Dabei geht sie auf vielschichtige
Weise mit Voraussetzungen, Erwartungen und Bedingungen zukünftiger
Benutzer um. Ihr gelingt es mit ihren Arbeiten ohne großes Aufheben,
gewohnten Tätigkeiten neue Bedeutungen zu verleihen.
Um einen Beitrag für die Universität Witten/Herdecke zu entwickeln,
führte sie im Wintersemester 99/00 ein Seminar und besagte »Space
Therapy - Action 1« durch, ein offener Workshop, der eine Recherche
zum sozialen Raum der Universität war. Das Ergebnis liegt nun vor:
Für die Große Halle der uni-wh entstand ZOFA.