Beat
Streuli artist in dialog WS 00/01
project at uni-w/h
Pünktlich zur Eröffnung des Wintersemsters 00/01 präsentierte
Beat Streuli eine von ihm eigens für die Räume der Universität
entwickelte mehr als 25 Meter lange Fotoarbeit. In seinen Fotografien und
Videos zeigt Streuli Menschen in urbanen Kontexten. Er fotografiert zumeist
junge Menschen in einem Outfit, wie man es potentiell in allen Großstädten
der Welt finden kann. Die Menschen sind immer in Bewegung, scheinen auf Strassen
und Plätzen unterwegs zu sein. Das Sonnenlicht des Außenraums wirft
ein kontrastierendes Schlaglicht auf die Gesichter, bringt leuchtende Farben
hervor und dynamisiert so den Blick. Auch die Ausschnitthaftigkeit verleiht
den Bildern den Eindruck des Snapshots, des Momentanen. Streuli präsentiert
seine Bilder immer in Serien, evoziert durch einen dichten Rhythmus in der
Bildfolge die Erfahrung von Geschwindigkeit. Seine monumentalen wallpaper,
die er auch schon auf Bauzäunen oder in Museen etwa bei den Biennalen
von Sydney und Johannesburg gezeigt hat, erinnern an die großen städtischen
Werbeflächen, spielen mit der Sprache einer kommerziellen Bildwelt. as
Blow-up-Verfahren monumentalisiert die augenblickshaften Impressionen einer
jungen, globalen Gesellschaft.
Seine Portraits zeugen nicht von einer intimen Begegnung zwischen Fotograf
und Porträtiertem, auch nicht von dem Versuch, der Porträtierten,
sich selbst in Pose zu bringen. Streuli erwischt stets Momente, in denen sich
die Menschen nicht bewußt zeigen und in ihrer Einzigartigkeit präsentieren,
sondern in denen sie als Teil eines bewegten Zusammenhangs, eines lebendigen
Treibens erscheinen. Im ganz wörtlichen Sinne wählt Streuli deshalb
eine Bildgröße, die sich nur noch im Vorbeigehen oder aus weiter
Entfernung erschließt. Er selbst sagt: »Ich möchte Installationen
schaffen, die so groß und so schön sind wie Filme oder große
Plakatwände, und zwar ohne damit dumme Produkte zu verkaufen.«
Er versucht mit seinen Straßenfotografien ein Bild von Menschen unserer
heutigen Zeit zu schaffen, ein Bild ihres öffentlichen Lebens.
Für eine Wand in der Halle der Universität hat Streuli die Arbeit
»Portraits 1999/2000, Jerusalem-Chicago-Turin« entwickelt. Eine
Serie von Portraits, die er in den Straßen von Jerusalem, Chicago und
Turin aufgenommen hat. Jeder der drei Wandabschnitte zeigt je eine Serie aus
einer Stadt [links Jerusalem, in der Mitte Chicago und rechts Turin].
Im November 2000 hielt Beat Streuli im Rahmen der Veranstaltungsreihe »on
zofa« einen öffentlichen Vortrag zu seinen Arbeiten. Ein Gespräch
mit Professor Dr. Dirk Baecker, Dr. Karen van den Berg und Jörg van den
Berg und den Gästen schloß sich an.