Diskursive Erinnerung
Karen van den Berg, Jörg van den Berg, Sebastian Manhart
Projektmaterialien zu Echos Pool fünf jüdsiche
Landfriedhöfe und fünf künstlerische Einlassungen
[im Erscheinen]
Echo´s Pool ist ein transdisziplinäres Projekt zwischen künstlerischer
Praxis, Kulturwissenschaften und regionaler Kontextualisierung. Im Zentrum
steht die Realisierung von fünf auf Dauer angelegten künstlerischen
Arbeiten an fünf jüdischen Landfriedhöfen am Niederrhein.
Die Künstler sind Christine Borland, Stefan Kern, Jörg Lenzlinger/Gerda
Steiner, Thomas Locher und Richard Serra. Das Buch dokumentiert Überlegungen
auf dem Weg zur Realisierung des Projekts, es gibt Einblicke in Gespräche
und versucht in kulturtheoretische Diskurse einzugreifen. Darüber hinaus
stellt es die beteiligten Künstler im Kontext der für das Projekt
zentralen Fragestellungen vor und zeigt die Ausstellung »Echos
Pool Fünf jüdische Landfriedhöfe und fünf künstlerische
Einlassungen« in der Duisburger Stiftung DKM.
Echo´s Pool antwortet auf ein derzeit vorherrschendes biederes Memorialverständnis,
welches als dominante Manifestation nicht nur des Jüdischen in Deutschland
gelten kann und oft in bronzenen Gedenktafeln seinen Ausdruck findet. Jüdische
Friedhöfe gelten in der deutschen Öffentlichkeit meist als Tabuzonen.
In ihrem Umfeld ein Projekt mit Gegenwartskunst zu starten, ist gewagt,
wird hier doch Unbekanntes mit Unbekanntem vermittelt. Echo`s Pool kann
sich aber gerade auf die besonderen Möglichkeiten heutiger künstlerischer
Praxis stützen. Denn Grenzen und Verhaltenskodizes heraus zu stellen
und neu zu beschreiben, Riten zu erfinden und Perspektiven um zu stülpen,
sind entscheidende Anliegen gegenwärtiger künstlerischer Praxis.
Echo`s Pool reagiert auf eine kontraproduktive Gleichsetzung von Judentum
und Holocaust, durch die Juden nur als Opfer oder Holocaustüberlebende
angesehen werden. Die Bilder des Holocaust haben eine Omnipräsenz gewonnen.
Ein differenzierter Blick auf das Andere jüdischer Kultur wird damit
in gewisser Weise verstellt. Ziel ist es in diesen Diskurs neue Bildformen
ein zu bringen, die einem Kulturverständnis einer jüngeren Generation
entspringen. Es geht um eine pluralistische Kultur der Unterschiede als
einer diskursiven Praxis, die nicht allein auf einer Verpflichtung gegenüber
Tradition und Vergangenheit basiert, sondern auf »das Moment der Erfahrung
einer offenen Zukunft« [Dirk Baecker] setzt.